29.10.15

noankastl





herbstwollen :: mehr ruhige stunden einbauen in die tage

°

zum herumwandern
zwischen den goldenen birkenblättern rucksack-camoufliert

°

zum herumsitzen
– gern würd ich auf so einen füchslein-sessel passen –

°

zum sinnieren

über eine ernsthaft ins auge zu fassende wintermantel-option zum beispiel
um den alljährlichen entscheidungsaufschub doch noch zu einem guten ende zu bringen
ist ja nicht gerade das, was man eine günstige investition nennen könnte, so ein mantel
was es nicht einfacher macht

andere leute sind da mutiger und schreiten selbst zur nähtat
meine nähkünste und geduld sind aber mit einem rock auch ausreichend ausgelastet
wobei ich mit dem selbermachen eines mäntelchens fürs füchslein zumindest liebäugle

°

zum inderküchewerkeln
die kürbis-ricotta-quiche verlockt mich sehr

°

zum lesen

zum einfachschönfinden

+
wär der nicht auch ein famoser ring, liebe anna?
+
die illustrationen von jay dart
und sein kostenloses e-book Wanderer the Yawnderer
+

zum beizeiten einfach einmal nur ins narrenkastl schauen

.
.

immerhin ist müßiggang aller weisheit anfang

deshalb bin ich auch gerade so miserabel im wortehinterlassen auf anderen blogs
(wegen der anfangenden weisheit nämlich, what else?)


... habts ruhig.

26.10.15

der verliebte koch



zu meinem großen glück habe ich mit dem füchslein einen kleinen menschen an meiner seite, der meine leidenschaft für schöne kinderbücher teilt. und zu unser beider glück gibt es davon gar nicht so wenige, wie man auf den ersten buchladenblick glauben könnte. ein mindestens rehkniehoher stapel ist hier mittlerweile zu einer fein bestückten preziosen-miniatur-bibliothek zusammengerückt und lässt tag für tag, abend für abend unsere vor::leseherzen quietschfidelieren. jüngster freudensprunganlass :: Der verliebte Koch von verena hochleitner.

es ist eines dieser bücher, deren gestalterische ästhetik mich auf den ersten augapfelwurf in ihren bann zieht: querformat, matte haptik und dezente warmtonigkeit des papiers, reduzierte farbgebung, schlichte, klare typographie – und nicht zuletzt grandiose illustrationen oder vielmehr :: bilder.

bilder, die etwas anarchisches, sperriges, die konvention gegen den strich bürstendes in sich tragen – pflänzlein einer subtilen mésalliance, die, wie ich glaube, aus dem mit kompositorischer souveränität und präzision betriebenen spiel mit versatzstücken aus kinder- und jugendzeichnungen erwächst. die wahrung der intakten form mit ihren spielarten des röntgenbilds, der hie und da auftauchenden umklappung und des additiven zusammenstoppelns der einzelnen bildemente (ein wahres fahrzeug-schatzkistchen im übrigen!) hüpfen einem förmlich entgegen. um nichts weniger ist es aber wohl die narrative struktur, die an kinderbilder denken lässt.



wie auf einer ausgebreiteten filmrolle reihen sich vor fabulierlust sprühende einzelszenen in schwarz und weiß und dem sich dazwischen aufspannenden spektrum an graustufen aneinander und entfalten das panorama einer welt, durch die sich die verliebten gedanken des kochs in kontrastierendem grün hinfortzwirbeln: träumerisch in die suppe eingerührt, durchwirken sie nach und nach die ganze stadt und bilden den roten grünen faden der geschichte der ausbreitung einer im wahrsten sinne herzergreifenden liebesepidemie.

so wenig diese geschichte im grunde der verbalen ausformulierung bedarf, so stimmig setzt verena hochleitner bild und text miteinander in beziehung. grafisch sowieso – feinnervig ausbalanciert ruhen gezeichnetes, buchstabiertes und weißraum nebeneinander. aber auch die sprache selbst schmiegt sich der bildwelt im aufnehmen ihres duktus passgenau an. schnörkellos ist sie und gerade und zugleich ausgestattet mit einem feinen gespür für semantische bandbreiten; wortwitzig und humorvoll auch im entwurf einer diversitätsträchtigen gesellschaft auf der höhe der zeit.



eigentlich ist das aber alles viel zu nüchtern und zu ungelenk gesagt für die extravagante selbstverständlichkeit, mit der Der verliebte Koch auftischt. besser :: die animationsfilmische version des buches (verena hochleitner und ulrike sowoboda-ostermann) ansehen und mit uns im kreis freudespringen darüber, dass es menschen gibt, die solche dinge machen. einfach richtig gut.






ich danke dem °luftschacht-verlag für das freundliche zurverfügungstellen eines rezensionsexemplars.

24.10.15

herbstmeer





den blick in die weite tunken.
menschenleere einatmen.
kaffee trinken und eis essen.



20.10.15

unbodenlose zeichenfreuden



an der wand ist dem füchslein wohl der platz ausgegangen.
wie gut, dass es auch böden gibt.
hauptsache zeichnen. fußbuntheit inklusive.

15.10.15

morgenwarm :: porridge



»mit einem warmen getreidebrei am morgen wird alles gut«, so sinngemäß ein ayurveda-arzt, von dessen wissen ich in den letzten monaten häppchenweise gekostet habe. congee habe ich leider nicht immer vorrätig – und so hab ich mir eine rezeptvariation des herbstfrohstücks vom letzten jahr überlegt :: einen porridge, der tag für tag unsere morgenmüden bäuche wärmt; und die seelen gleich dazu.

eine süße birne würfeln und in etwas kokosöl anbraten. vanille, kardamom, galgant, curcuma und zimt darüberstäuben. eine gute handvoll nüsse/kerne (meine mischung beinhaltet para-, wal- und haselnüsse, mandeln, sonnenblumenkerne und cashews) sowie hafer- und dinkelflocken (nach zahl der bäuche und hungermaß) mitrösten. wenn alles fein duftet, mit wasser aufgießen, sodass alles bedeckt ist; die temperatur zurückschalten und ziehen lassen. rosinen dazugeben, wer mag. und quellen lassen, bis die haferflocken weich sind. zum feilen an der feinen konsistenz von zeit zu zeit ein paar schlucke wasser dazugeben und einen guten esslöffel braunhirse. am ende einen esslöffel mandelmus unterrühren. und wenns die vorräte hergeben (oder aufgrund einer wer weiß wie lange schon offenen tiefkühlertür verbraucht werden müssen), zusätzlich ein beeren-kompöttchen drüberkippen.

bauch warm – alles gut.

8.10.15

entdeckt, endlich



monika wetz, aus der serie Innenansichten, 2014/15
[via]

.
.

eine ausstellung, in die ich unbedingt möchte
Innenansichten von monika wetz

.

wobei ich noch lieber eine solche hose hätte 
tipps?

.

und für darunter
einen pulli zum nachstricken

.

ebenfalls zum nachmachen
nicas unheimlich schöne

wolfgang herrndorf, endlich
– warum erst jetzt? –
zunächst tschick gemocht und dann in Arbeit und Struktur festgelesen
die papierversion seines blogs

.

für die ohren
ebenfalls besser spät als nie

.

was für ein wunderbarer mensch dahinter steckt
so wertvolle stunden waren es – danke

.

wie schön es ist, unmittelbar helfen zu können

.

6.10.15

selbstverortung



kinderzeichnungen, aufgehängt an den inneren
planen des kinderfreunde-zeltes auf dem gelände der
flüchtlingsunterkunft am schwarzl-see in der nähe von graz.

.

zeichnen. bewusst spuren hinterlassen. da, wo man ist.

verlinkt mit  :: kind of art

3.10.15

nur so



ein samstag

hundert wolken

ein löffel
(endlich wieder einmal)

ein lied


nur so


verlinkt mit

1.10.15

bandada



Bandada, zu deutsch vogelschwarm – diesen verheißungsvoll wohlklingenden titel trägt ein wunderschönes kinderbuch des mexikanischen künstlerduos david daniel álvarez hernández und mariá julia díaz garrido im spanischen original. all die poesie birgt er in sich, die sich ihrerseits beim durchblättern dieses philosophischen und künstlerischen kleinods entfaltet.

seine filigranität gelingt es dem vergleichsweise sperrigen und vielleicht eine spur allzu ausdeutenden deutschen titel Als die Vögel vergaßen, Vögel zu sein nicht in dem maße einzufangen; aber die buchdeckelbetrachtenden augäpfel verfangen sich ohnedies andernorts :: in der fabelhaft sublimen coverillustration.


im inneren des buches findet sie sich wieder; eine von insgesamt zwölf doppelseitigen, blattfüllenden bleistiftzeichnungen, die im malerisch anmutenden ausschöpfen des gesamten graustufenspektrums eine unwiderstehliche präzision, tiefe und feinnervigkeit erlangen und zeugnis ablegen von einem achtsamen blick für zwischentöne in jedem sinn. graphit, verdichtet zu anthropomorphen vogelgestalten, zu vögeln mit armen und beinen, menschen mit vogelköpfen, gewandet in opulent-barocke kleider.


sehr zurückhaltend gebart sich indes der stark reduzierte text. je zeichnung ein satz, gesetzt in unaufdringlicher serifenschrift. formal kaum raum beanspruchend, spannt er gewaltige denkfelder auf. wort und bild im freien tanz, jedes für sich und miteinander, im kontrapunktischen wechselspiel von ergänzung und kontrastierung. gedankenflüge. mit unfassbar viel gefühl. gefühl, das darin ruht, gefühl, das daraus wird.



es ist ein bedrückendes, dieses gefühl. denn verhandelt wird eine welt in moll. dahingestellt bleibe, inwiefern sich dieser dystopische klang auch der kinderleseseele erschließt, unberührt vom wissen um den unter der buchseitenoberfläche wabernden zivilisatorischen prozess. unverfälscht vielleicht auch; frei vom groben überstülpen eines plakativ-moralisierenden verständnisses dieses so unheimlich kunstvollen buches, dem wohl treffender zu begegnen ist mit einer lesart als subtile parabel über die im nicht-leben der eigenen besonderheit schlummernde unfreiheit und die damit verbundene melancholie.


und der möglichkeitssinn schimmert im schluss :: »Zum Glück gab es aber irgendwo noch jemanden, der sich einfach nur wünschte, seine Flügel auszubreiten und fliegen zu lernen.«

zum nicht geringeren glück gibt es solche (kinder-)bücher, die exemplarisch dafür stehen.


fotos 1,2,3 & 5 :: details
(zusätzl. foto :: klick)
ich danke dem aracari-verlag für das freundliche zur-verfügung-stellen eines rezensionsexemplars.